Auch andere Integrationsfachdienste in Bayern sind in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv. Hier ein Beispiel unserer Kollegen aus Oberfranken.

Hier der Newsletter vom April: Ich habe diesen ausgewählt,weil ich den Artikel über "LASSE" ganz gelungen finde. Übrigens führen wir als Integrationsfachdienste diese Maßnahme in ganz Bayern durch (in Schwaben in Kempten, Memmingen, Augsburg, Donauwörth und Neu-Ulm).

Viele Spaß beim durchlesen. Wenn sie Interesse an diesem Newsletter aus Oberfranken haben melden sie sich bitte direkt beim ifd Oberfranken post@ifd-oberfranken.de

 

 

 


Newsletter

Integrationsfachdienst Oberfranken gGmbH

März/April 2015

Nummer 4




























































































 

ifd – LASSE lässt hoffen

Mit Beginn dieses Jahres wurde dem ifd ein neues Instrument an die Hand gegeben, Menschen mit Behinderung im Arbeitsleben zu unterstützen. LASSE bedeutet Langzeitarbeitslose Schwerbehinderte schnell eingliedern. Hinter der sperrigen Bezeichnung verbergen sich Menschen. Menschen, die die Hoffnung auf Rückkehr in das ganz normale Arbeitsleben bereits aufgegeben haben. Sie sind resigniert, igeln sich zum Teil aus Scham zuhause ein und entfernen sich mit jedem Monat etwas mehr von ihrem Mut, ihrer Leistungsfähigkeit und ihrem Zutrauen.

Bild Schriftzug "JOB"

Der ifd möchte mit LASSE diese Menschen sprichwörtlich an die Hand nehmen und ihnen zunächst das zurück geben, was viele als verloren angesehen haben – Selbstbewusstsein. Da gibt es eine Frau, die nach dreiundzwanzig Jahren bei ein und demselben Arbeitgeber einer wirtschaftlichen Restrukturierungsmaßnahme zum Opfer fiel. Sie hat daraus gelernt, dass treues Engagement über sehr lange Zeit am Ende nicht von Wert ist. Was folgt war Resignation. Oder der gut Ausgebildete mit einer phasenweise verlaufenden psychischen Erkrankung. Er gibt irgendwann auf, wenn er ausschließlich erlebt, dass es in seinem Leben nur eine verlässliche Konstante gibt – die Wiederkehr zerstörender Krankheitsphasen. Sie alle sollen mit LASSE gestärkt werden.

In den aktuellen Beschäftigungsstatistiken lässt sich beobachten, dass Menschen mit Handicap nicht ebenso am Beschäftigungsboom beteiligt sind, wie ihre Mitmenschen mit guter Gesundheit. Hier soll der ifd mit LASSE Hoffnung geben. Zum einem ist ein Rahmen mit genügend Zeit geschaffen. Jedem Teilnehmer kann sich das Fachpersonal ausgiebig widmen. Alle werden dort abgeholt, wo sie in ihrem Leidensweg stehen. Es werden Betriebe besucht, Praktikas und Probebeschäftigungen initiiert und Bewerbungsgespräche immer wieder durchgespielt. Das Wichtigste ist jedoch Zugang zu den Menschen zu finden und ihnen Zutrauen zu sich selbst wieder zu vermitteln.

Vermittlungserfolge sind das Ziel von LASSE. Auch wenn sie sich bei Einzelfällen schon abzeichnen, ist diese Maßnahme noch zu jung für eine aussagekräftige Bewertung.  Aber sie lassen hoffen.

Harald Labude – denn nur Praxis zählt

Er steht mit jungen Leuten an der Werkbank, wie auch als Kursleiter an der Tafel, um Menschen, die sich auf dem Arbeitsmarkt mit körperlichen, seelischen oder geistigen Einschränkungen schwer tun, konkurrenzfähiger zu machen. Harald Labude war nicht immer in der sozialen Arbeit. Seine berufliche Laufbahn begann er als Werkzeugmacher. Anschließend absolvierte er das Abitur, um ein Studium im technischen Bereich zu absolvieren. Nach einigen Jahren in einem großen Unternehmen, zog es ihn zunächst in die Erwachsenenbildung. Menschen als Betriebserfahrener zu unterstützen machte ihm zusehens mehr Freude. Vor allem, wenn seine Schützlinge motiviert waren, konnten sie von seinem hohen Erfahrungsschatz profitieren.

 Bild Person

Schließlich ist Herr Labude beim ifd gelandet. Nun betreut er in Bayreuth die LASSE-Maßnahme mit fünf jungen Männern, die unter physischen Einschränkungen leiden. Menschen, die die Hoffnung auf den Arbeitsmarkt fast aufgegeben haben, bekommen mit ihm eine neue Chance. Harald Labude unterstützt als Coach gesundheitlich beeinträchtigte Menschen direkt am Arbeitsplatz, z.B. in einer Gießerei bei der Montage von Ventilen. Dort bringt er in didaktisch aufbereiteten Schritten nicht nur den Arbeitsvorgang an sich bei, sondern auch Grundsätze der Arbeitseffektivität.

 

In seiner Freizeit tourt der Zweiundsechzigjährige am Liebsten mit seiner Frau im Wohnmobil durch die Lande. „Da kann man Land und Leute kennen lernen und sich gleichzeitig erholen.“

Kurz: Harald Labude ist beruflich wie privat ein Macher.


Ifd - Fallprotokoll zum 01.04.2015

Den heutigen Tag zum Anlass nehmend, möchte ich Ihnen eine kurze Success-Story, bzw. Best Practice Darstellung (wie man auch sagt) unserer ifd-Arbeit nahebringen. Es gibt viele offizielle Wege, die zur Einbindung des Integrationsfachdienstes führen; manchmal jedoch ist es reiner Zufall, dass wir auf einen schwerwiegenden Fall aufmerksam werden. Wie diesen:

Neulich begegnete ich zur frühen Morgenstunde einem merkwürdigen Klienten. Es war kein Gespräch in meinem Büro, sondern auf dem Weg zur Arbeit im Bamberger Hauptsmoorwald. Da tanzte ein Kleinwüchsiger um eine Feuerstelle. Ich weiß jetzt gar nicht, ob man dort überhaupt offenes Feuer machen darf, aber ich bin ja auch kein Förster, sondern Integrationsberater. Also habe ich Kontakt mit ihm gesucht.

Er sei ja offenkundig schwerbehindert, sprach ich ihn an und erwähnte nach ICD-10 (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten), E20 - E35, betreffs Kleinwüchsigkeit, und musste mich wundern, dass er das bislang gar nicht als Behinderung empfunden hatte. Wunderbare persönliche Integration, dachte ich mir noch und schwenkte auf mein Arbeitsgebiet, die berufliche Integration über. Augenscheinlich gehe er keiner geregelten Arbeit nach, sonst säße er nicht hier bei 5 Grad am Feuer. Ich könnte ihn integrieren, bot ich ihm an. Doch der wurde sofort wütend, bekam daraufhin merkwürdige, einem Tanz ähnelnde Krämpfe. Eine erste Vermutung war nach ICD-10, Klassifikation G10, der Veitstanz, auch Chorea Huntington genannt. Bevor ich ihn auf diese körperliche Auffälligkeit ansprechen konnte, sang, nein krächzte er ganz komisch: Heute back ich, morgen brau ich ..., den Rest habe ich nicht verstanden.

Der kleinwüchsige Mitbürger ging also wechselnden Tätigkeiten nach. Womöglich noch als geringfügige Beschäftigung unter Mindestlohnniveau. Ich versuchte mehr Informationen zu bekommen, um ihm den Sinn dauerhafter Integration nahe zu bringen. Geregeltes Einkommen und Auskommen. Das hätte er schon, gab der Wortkarge nur verschmitzt von sich. Es gäbe da jemanden, die ihm Stroh zu Gold spinne.

Also Selbstständigkeit!, da sehe ja die Sache ganz anders aus. Auch noch mit mindestens einer Angestellten. Da könne man zwar nicht über einen Eingliederungszuschuss oder Minderleistungsausgleich sprechen, aber immerhin über technisch notwendige Anpassungen des Arbeitsplatzes oder des Verkehrsmittels für den täglichen Weg in die Arbeit. Von dieser Information irgendwie irritiert starrte mich der E20-bis-E35-(nach ICD10)-eingeschränkte Mensch nur von unten an. Nach einer Weile sagte er doch etwas und gab Informationen über sich preis, die ich fachlich weiterverwenden könne, so freute ich mich jedenfalls schon. Er reise nicht per Equipage oder Blechmobil, sondern mit einem magischen Pulver und Potz Blitz.

Jetzt kannte ich die Automarke nicht, aber das wäre ja zweitrangig, teilte ich ihm mit. Solange die Umrüstkosten für Sitzerhöhung und weitere behindertengerechte Ausstattung nicht erheblich über dem Durchschnitt lägen. Trotzdem riet ich ihm eindringlich, vor dem Führen seines Wie-immer-auch-Blitzes oder eines anderen motorisierten Gefährtes kein Pulver zu inhalieren, wie magisch es auch sei. Der Berufsgenossenschaft würde das gar nicht gefallen. Der darauf folgende Blick zeigte mir deutlich, dass er nicht wusste, was die BG sei und welches ihre Zuständigkeiten waren. Also informierte ich kurz. Vor allem über die Klausel der Zwangsmitgliedschaft. Bei letztem Punkt hatte ich zwar ein schlechtes Gefühl, weil es mein Aufgabengebiet ja nicht tangierte, aber man will ja vollständig beraten.

Auf alle Fälle ließ ich ihm mal Formulare für einen Antrag auf Schwerbehinderung da. Ob daraus wirklich ein ifd-Fall wird, weiß ich nicht. Sehr interessiert schien der Mann ja nicht zu sein, von mir integriert zu werden. Aber zumindest habe ich es ihm angeboten. Die Themen Obdachlosigkeit und Hartz IV habe ich absichtlich ausgespart, um ihn nicht gleich beim ersten Gespräch zu überfordern. Außerdem ist ja zu vermuten, dass die regelmäßigen Goldeinnahmen, die er mit seiner Angestellten generiert, von der ARGE angerechnet würden.

Meine weitere Aktenführung in diesem Fall ist etwas ungenau, weil ich nicht einmal einen Namen erfahren konnte. Ich habe ihn zwar gefragt, als ich die persönlichen Daten erhoben habe; aber er murmelte nur unverständlich: Ach wie gut dass niemand weiß ..., den Rest habe ich nicht verstanden. Außerdem glaube ich, dass Altersangaben im mittleren, dreistelligen Bereich irgendwie unglaubwürdig klingen.

Soweit ein kleiner Einblick in die oft schwierige und komplexe Arbeit des Integrationsfachdienstes.

Wir wünschen Ihnen einen weniger aufregenden 1. April.


Wer neu in den Verteiler aufgenommen werden möchte,  sendet uns einfach eine Mail mit dem Betreff EINTRAGEN.

 

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