Von der breiten Masse der Nutzer fast unbemerkt ist das Smartphone in den letzten Jahren zum wichtigen Assistenzsystem für Menschen mit Behinderung geworden. Wir stellen ein paar tolle Apps vor.

Als im Oktober 2011 Apples iPhone 4 auf den Markt kam, staunte die Welt über die eingebaute Videotelefonie-Software FaceTime. In der Werbung sah man Mütter vom Hotel aus ihren Kindern gute Nacht wünschen und Omas mit ihren weit entfernten Enkeln Geburtstag feiern. Doch erst als ich hörte, wie blinde Menschen diese App nutzen war ich wirklich begeistert.

Bekannt wurde die Geschichte eines blinden Mannes, der sich verlaufen hatte und seine Freunde via FaceTime anrief. Sie erklärten ihm anhand der Videoübertragung, wie er weiterlaufen sollte. Begeistert teilte dieser Mann später seine Erfahrungen mit der Online-Community.

Und das machte Lust auf mehr. Welche Apps könnten behinderten Menschen bei der Organisation ihres Alltags helfen? Wie kann man das Smartphone nutzen, um den Arbeitsalltag einfacher zu gestalten?

Wir haben in den letzten Wochen ein paar tolle Apps entdeckt, die wir hier vorstellen wollen:

Satzbau-App für Autisten

Logo der Kommunikations-App Let me Talk"Ich möchte" und "Burger" sind nur zwei von 9.000 Bildern und Satzbausteinen, die in der Kommunikations-App "LetMeTalk" zu finden sind. Autisten können diese Bausteine aus Kategorien auswählen und sich so mittels Smartphone mitteilen.

Die App wurde von einem autistischen Jungen und seiner Mutter entwickelt. Programmierer und Designer arbeiten unentgeltlich mit und so steht die App nun für alle zum kostenfreien Download bereit. Die Erfolgsgeschichte von LetMeTalk haben Doreen und ihr Sohn Max auch auf der Onlinekonferenz re:publica 14 vorgestellt: A nerd, an autistic boy and a mother develop an app.

Farben erkennen

Logo der Farberkennungsapp ColorVisorDie ColorVisor App nutzt die Kamera am Smartphone oder Tablet und macht Farben sichtbar. Kleidungsstücke, Schilder und Bilder können mit dieser App getestet werden. Doch auch Grafiken, die sich bereits "im Smartphone" befinden - also Webseiten, Fotos oder Bedienelemente - kann die App analysieren.

Die Bewertungen im App Store sind durchweg positiv. Und auch überraschend. Denn die App wird nicht nur von blinden Menschen benutzt. Auch Smartphone-Besitzer mit einer Rot-Grün-Sehschwäche erzählen, dass die App im Alltag tolle Unterstützung bietet.

Aber das ist auch kein Wundern, denn der Entwickler von ColorVisor ist selbst sehbehindert und kann sein Programm deshalb ideal auf die Bedürfnisse von Menschen mit Sehschwäche anpassen. So ist die App selbstverständlich auch mit Sprachsteuerung bedienbar.

Barrierefreie Orte finden

Logo der Barrierefreiheit-App WheelmapDie Wheelmap der Berliner Sozialhelden ist ein Kartendienst für Menschen, die einen Rollstuhl benutzen oder aus anderen Gründen Treppen und Stufen vermeiden müssen. Jeder Nutzer kann hier selbst eintragen, ob ein Ort (also eine Behörte, Gaststätte oder ein Laden etc.) barrierefrei ist.

In den letzten Jahren ist eine umfangreiche Karte entstanden, auf der bei zahlreichen Orten in Deutschland wichtige Informationen eingetragen sind. So kann man auf Wheelmap zum Beispiel auch sehen, ob ein Behinderten-WC vorhanden ist oder nicht. Diese Angaben sollte jedes Unternehmen unbedingt auf der Wheelmap eintragen um Kunden und Geschäftspartner möglichst viele relevante Informationen für einen Besuch zur Verfügung zu stellen.

Maßgeblich an der Entwicklung beteiligt ist der Aktivist Raul Krauthausen, den wir bereits hier im Blog vorgestellt haben.

Leichte Sprache zum Mitnehmen

Der Beschreibung er App für Leichte Sprache ist nichts hinzuzufügen:

Logo der App für Leichte Sprache"Hurraki ist ein Wörterbuch für Leichte Sprache.
Viele Menschen reden umständlich. Nicht jeder versteht das.
Die Wörter bei Hurraki soll jeder verstehen können.
Niemand soll ausgegrenzt werden.
Alle haben ein Recht auf Information."

Es handelt sich um ein Wörterbuch an das auch ein Verzeichnis für Artikel angegliedert ist. So soll ein barrierefreier Zugang zu Informationen gewährleistet werden. Zielgruppe sind Menschen die Deutsch nicht so gut verstehen und Menschen mit geistiger Behinderung.

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