Wir möchten hier im Blog die tägliche Arbeit der Integrationsfachdienste vorstellen und einen Einblick in unsere Aufgaben geben. Wir beginnen mit dem Bereich Vermittlung.

Der Begriff Vermittlung bezieht sich in unserem Bereich auf Klienten, die im Rahmen einer Beauftragung (durch die Agentur für Arbeit oder die Rentenversicherung) vom Integrationsfachdienst betreut werden. Das sind behinderte und chronisch kranke Menschen, die mit unserer Hilfe einen Arbeitsplatz finden wollen oder an einer Eingliederung teilnehmen.

Die Klienten kommen zu uns, indem sie zum Beispiel von der deutschen Rentenversicherung Schwaben oder von der Arbeitsagentur an uns verwiesen werden. Innerhalb von wenigen Tagen erhalten die Teilnehmer dann eine Einladung zum Gespräch von uns. In manchen Fällen werden wir auch direkt von Klienten angesprochen. Auch das ist möglich, jedoch muss dann vor Aufnahme der Vermittlungstätigkeit durch den Integrationsfachdienst doch noch der Weg über die Rentenkasse oder die Agentur für Arbeit gegangen werden, damit die Kostenträgerschaft geklärt wird.

Infobox: Die Rentenversicherung ist dann für die berufliche Integration (Reha und Teilhabe am Arbeitsmarkt) zuständig, wenn mehr als 15 Jahre lang Beiträge bezahlt wurden. In anderen Fällen ist die Agentur für Arbeit zuständig.

Die häufigsten Gründe für eine Vermittlungsuntertützung durch den Integrationsfachdienst sind:

  • Bandscheibenvorfall, Probleme mit dem Stützapparat
  • Psychische Erkrankungen (auch nicht diagnostizierte Einschränkungen) - dieser Bereich nimmt in den letzten Jahren zu
  • Schlaganfall
  • HWS- und LWS-Syndrom

Ablauf einer Vermittlung beim Integrationsfachdienst

Der Beginn unserer Vermittlungstätigkeit ist immer das gegenseitige Kennenlernen. Dazu vereinbaren wir ein persönliches Gespräch, bei dem dann die persönlichen, für die Unterstützung wichtigen, Sachverhalte besprochen werden. Ganz wichtig ist uns dabei, erst einmal festzustellen, wie denn der aktuelle Status ist. Dazu gehören nicht nur Formalitäten, sondern vor allem auch die persönliche Einstellung. Oft beginnt unsere Vermittlungsarbeit damit, dass die Klienten aus einer Art Stagnation heraus geholt werden müssen. Es ist uns ein großes Anliegen, die Klienten erst einmal zu motivieren, also zu "aktivieren".

Dabei helfen auch ein vertrauliche Atmosphäre und die Begegnung auf Augenhöhe. Viel Zeit und intensive Gespräche bieten wir jedem an, der von uns unterstützt wird. Für viele Klienten ist das neu und ungewohnt, hatten Sie doch zuvor oft mit Behörden zu tun, die schwerpunktmäßig in Form von Formularen kommunizieren.

Ab jetzt werden alle Ziele, Maßnahmen und Ergebnisse dokumentiert. Auch die Gespräche, die wir im Zusammenhang mit unserem Klienten führen, werden von uns schriftlich zusammengefasst. Das ist deshalb so wichtig, weil wir bei der Vermittlung Einzelfallarbeit leisten. Das bedeutet, dass jeder Klient seine eigene Entwicklung in seiner eigenen Geschwindigkeit machen darf. Regelfälle und Schemata gibt es in diesem Bereich unserer Arbeit eigentlich kaum.

Maßnahmen bei der Vermittlungsarbeit des Integrationsfachdienst

Motivation, Aktivierung, Eigenverantwortung und Empowerment stehen im Mittelpunkt unserer Vermittlungsarbeit

In den ersten Gesprächen wird auch geklärt, was überhaupt das Ziel der Vermittlungsarbeit sein soll. Natürlich streben die meisten Klienten einen Wiedereinstieg in den Beruf ein, wodurch Hilfe bei der Arbeitsplatzsuche ein wichtiges Thema für den Integrationsfachdienst ist.

Doch auch Unterstützung im Krankenstand ist ein zunehmendes Feld, mit dem wir uns befassen. Das ist oft nicht ganz leicht, denn um Probetage und Praktika in einem Betrieb zu absolvieren, dürfen die Klienten nicht Krankgeschrieben sein. Hier sind unsere Mitarbeiter stark gefordert, individuelle Lösungen für die Berufsvorbereitung zu finden.

Wir verstehen unsere Arbeit als Beratung. Die Klienten müssen unbedingt Eigeninitiative zeigen, damit die Vermittlungsarbeit erfolgreich sein kann.

Unseren Mitarbeitern steht ein breites Spektrum an möglichen Maßnahmen zur Verfügung. Je nach Einzelfall versuchen wir, die erfolgversprechendsten Schritte in die Wege zu leiten. Das können sein:

  • Erstellen bzw. Optimieren der Bewerbungsunterlagen und Beratung zum Umgang mit der Behinderung in der schriftlichen Bewerbung
  • Akquise einstellungsbereiter Betriebe und Kontaktaufnahme zusammen mit den Klienten
  • Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes zusammen mit den Klienten
  • Sicherung des neuen Arbeitsplatzes durch Nachbetreuung, bei längerfristigem Unterstützungsbedarf Übergabe an ifd Berufsbegleitung
  • Vorbereitung und Einüben des Vorstellungsgespräches in Rollenspielen
  • Training sozialer/kommunikativer Kompetenzen
  • Innerbetrieblicher Arbeitsversuch
  • Außerbetriebliches oder betriebliches Arbeitstraining (Grundarbeitsfähigkeiten, instrumentelle Fertigkeiten, Fachwissen, Anpassungsqualifikation)
  • Einzelfallberatung, Verhandlung mit verschiedenen Betriebsebenen
  • Beratung bei der Veränderung der Arbeitsorganisation oder der Arbeitsbedingungen
  • Krisenmanagement
  • Organisation innerbetrieblicher personeller Unterstützung
  • Unterstützung des Arbeitgebers bei Klärung und Beantragung von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben
  • Unterstützung und Beratung des Klienten in Bezug auf einen Antrag auf Schwerbehinderung
  • Unterstützung des Arbeitgebers und des (schwer)behinderten Menschen bei der Auswahl und Beantragung von technischen Arbeitshilfen
  • Einbeziehung es regionalen sozialen Netzwerkes (z.B. Schuldnerberatung, Familienhilfe u.ä.)

Diese Liste ist sehr lang. Das liegt daran, dass wir so die Möglichkeit haben, uns um jeden Klienten ganz individuell zu kümmern und die bestmögliche Arbeitsstelle für ihn zu finden.

Infobox: Der Integrationsfachdienst berät seine Klienten auch zu dem Thema Gleichstellung an den Schwerbehindertenstatus. Durch eine Gleichstellung erhält der Arbeitnehmer mit einem festgestelltem Grad der Behinderung von unter 50 nahazu alle Rechte, die auch ein Arbeitnehmer mit Schwerbehindertenstatus (GdB >= 50) hat.

Beispielfälle

Ein typischer Fall bei unserer Vermittlungsarbeit könnte die folgende (erdachte) Person sein: Maurer, 51 Jahre alt mit mehreren Bandscheibenvorfällen. Nach der Analyse der persönlichen Situation und der Optimierung der Bewerbungsunterlagen hat der Klient eine Stelle als Hausmeister gefunden, bei der auf die Behinderung Rücksicht genommen wird. Damit alle Beteiligten die Situation gut einschätzen können, versuchen wir immer Probearbeitstage zu vermitteln.

Ein weiterer Fall könnte eine Produktionshelferin sein, die vor 20 Jahren mal eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau gemacht hat. Nach Mobbingerlebnissen beim letzten Arbeitgeber ist eine Depression aufgetreten, durch welche die Weiterbeschäftigung unmöglich war. In den Gesprächen mit Mitarbeitern des ifd konnten die psychischen Probleme zu eine großen Teil aufgearbeitet werden. Die Dame hat nun eine neue Stelle in einem kleinen Geschenkeladen gefunden, bei der sie ohne Zeitdruck arbeiten kann und weder körperlich noch psychisch überlastet wird.

Das sind zwei Beispiele, bei denen ein Wiedereinstieg in den Beruf gelungen ist. Doch auch der Entschluss zur Durchführung einer lang aufgeschobenen Operation oder der Beginn einer Therapie kann ein Erfolg für einzelne Klienten sein.

Abschluss der Vermittlungsarbeit

Zum Schluss setzen wir uns mit jedem Klienten noch einmal zusammen und klären, welche weiteren Schritte für ihn noch notwendig sind. In diesem Gespräch wird zum Beispiel besprochen, was schon gelernt wurde, und wo noch Lücken bestehen. Natürlich interessiert uns in diesem Zusammenhang auch, wie zufrieden alle Beteiligten mit der Arbeit des Integrationsfachdienstes waren.

Infobox: Etwa 250 Klienten werden jedes Jahr im Bereich Vermittlung durch den ifd Schwaben unterstützt. Das sind stets etwa 100 Personen, die gleichzeitig von uns begleitet werden. Bei vielen Klienten erleben wir im Laufe der Unterstützung eine erhebliche Persönlichkeitsentwicklung in Form einer Aktivierung. Ca. 35% der Klienten, die im Rahmen einer Vermittlung zu uns kommen, haben am Ende einen neuen Arbeitsvertrag in der Tasche.

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